Renner, Heinrich (06.01.1892-11.01.1964), Journalist, Dentist, Politiker (Kommunistische Partei Deutschlands), Funktionär des Internationalen Bundes der Opfer des Krieges und der Arbeit, Mitglied des Rheinischen Provinziallandtags, Essener Stadtverordneter und Oberbürgermeister, NRW-Landtagsabgeordneter, NRW-Sozialminister, NRW-Verkehrsminister, Mitglied des Parlamentarischen Rates, Bundestagsabgeordneter.
Heinrich „Heinz Renner wurde am 6. Januar 1892 in Lückenburg an der Mosel als Sohn eines evangelischen Volksschullehrers geboren und wuchs in Heusweiler bei Saarbrücken auf. Im März 1910 verließ er das Realgymnasium in Sulzbach mit dem "Einjährigen", um eine Banklehre bei einem Saarbrücker Bankhaus zu machen. Nachdem Renner 1911 in der Bank Geld unterschlagen hatte und zunächst nach Paris, dann weiter nach London geflohen war, wurde er verhaftet, nach Deutschland ausgeliefert und im Februar 1913 zu zwei Jahren Haft verurteilt.
Während der Haft leistete Renner seine Wehrpflicht ab. Seit 1914 kämpfte er an der Westfront und wurde mehrfach schwer verwundet, so dass er am 1. Februar 1918 als kriegsuntauglich entlassen wurde. Bereits 1917 war Renner nach Essen ins Lazarett gekommen. Noch im selben Jahr heiratete er hier die Dentistin Cläre (Clara) Koch. Bis zur Scheidung 1926 lebte er mit ihr, ihrer Tochter Lieselotte sowie der gemeinsamen Tochter Rosemarie (geb. 1921) in Essen-Holsterhausen.
Renner gehörte seit 1910 der SPD an. Im Februar 1919 wechselte er zur USPD, im Herbst d. J. schließlich zur KPD. Seinen Lebensunterhalt verdiente er zunächst mit verschiedenen Tätigkeiten, u. a. als Bürohilfsarbeiter bei der Stadt Essen. Danach war Renner beim Reichsbund der Kriegsbeschädigten tätig, bevor er 1920 zum Internationalen Bund der Opfer des Krieges und der Arbeit ging. Zwischen 1923 und 1933 war er dort Leiter des Gaus Rheinland und Westfalen. Als profiliertester Vertreter der KPD gehörte Renner von 1924 bis 1933 der Essener Stadtverordnetenversammlung sowie von 1925 bis 1933 dem Rheinischen Provinziallandtag an.
Nach der NS-Machtübernahme floh Renner im Frühjahr 1933 ins Saargebiet und nach dessen Anschluss an das Deutsche Reich im März 1935 nach Paris. Dort engagierte er sich für die Exil-KPD im Verband der deutschen Emigranten in Frankreich. Im September 1939 wurde er verhaftet, im südfranzösischen Lager Le Vernet interniert und im Juli 1943 nach Deutschland ausgeliefert. Hier war er anfangs im Gefängnis in Saarbrücken, später im Zuchthaus Ludwigsburg in Haft. Im April 1945 wurde Renner durch französische Truppen im Zuchthaus Ludwigsburg befreit und kehrte sofort nach Essen zurück. Er lebte im Stadtteil Essen-West und beteiligte sich seit Ende 1945 maßgeblich am Wiederaufbau der KPD.
Vom 6. Februar bis zum 31. Oktober 1946 war Heinz Renner nach Hugo Rosendahl der zweite, von den Briten ernannte Oberbürgermeister der Stadt Essen. Von 1946 bis zum Verbot der Partei 1956 saß er für die KPD im Essener Stadtrat, von 1946 bis 1949 auch im Nordrhein-Westfälischen Landtag, zeitweise als Fraktionsvorsitzender. Vom 29. August bis zum 5. Dezember 1946 war Renner Sozialminister, vom 17. Juni 1947 bis zum 7. Februar 1948 Verkehrsminister des Landes Nordrhein-Westfalen. Als Mitglied des Parlamentarischen Rates wirkte Heinz Renner zwischen Oktober 1948 und Mai 1949 an der Erarbeitung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland mit. In den Parlamentarischen Rat rückte er für die KPD im Oktober 1948 als Nachfolger von Hugo Paul nach. Dort war er im Geschäftsordnungsausschuss sowie im Ausschuss für das Besatzungsstatut tätig. Renner bemühte sich um die Bildung einer verfassungspolitischen Einheitsfront mit den Sozialdemokraten und dem linken Spektrum des Bürgertums und äußerte grundsätzliche Bedenken gegen einen westdeutschen Staat. Bei der Verkündung am 23. Mai 1949 verweigerte er mit den Worten „Ich unterzeichne nicht die Spaltung Deutschlands die Unterschrift unter das Grundgesetz.
Von 1949 bis 1953 war Heinz Renner Mitglied des Deutschen Bundestags. Nach dem Verbot der KPD am 17. August 1956 geriet er in finanzielle Schwierigkeiten. 1959 wurde ihm seine Rente als Geschädigter des NS-Regimes rückwirkend aberkannt. Im September 1958 war Renner wegen seines politischen Wirkens vor und nach dem KPD-Verbot zeitweise in Haft. Im Frühjahr 1960 setzte sich der schwerkranke KPD-Politiker in die DDR ab. Er starb am 11. Januar 1964 in Ostberlin. Seine Urne wurde am 1. Februar 1964 auf dem Südwest-Friedhof in Essen beigesetzt.
Veröffentlichungen: Informationsdienst über Sozialfragen, Wirtschaft und Politik (Hrsg.)
Ehrungen: Ehrengrab der Stadt Essen; Heinz-Renner-Platz in Essen-West; Heinz-Renner-Haus (Geschäftsstelle des Kreisverbands Essen der Partei "Die Linke", Severinstraße 1, 45127 Essen).
Der im Archiv Ernst Schmidt überlieferte Bestand enthält den Nachlass Heinz Renner, der vorwiegend aus Unterlagen von 1945 und 1964 besteht, sowie einige dokumentarische Unterlagen (v.a. Kopien aus dem ehemaligen Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED - Zentrales Parteiarchiv), die von Ernst Schmidt hinzugefügt wurden. Darüber hinaus befindet sich im HdEG unter der Signatur Best. 140 Nr. 203 eine Personalakte, die Renners kurze Tätigkeit bei der Stadt Essen dokumentiert. Zudem sind hier unter den Signaturen Best. 1000 Nr. 1-2 u. 21 Akten aus seiner Zeit als Oberbürgermeister überliefert. Eine Mappe mit weiteren Unterlagen aus dem Nachlass liegt heute im Bundesarchiv unter der Signatur NY 4164. Die inzwischen digital verfügbare Entnazifizierungsakte von Heinz Renner wird im Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, SBE Hauptausschuss Stadtkreis Essen, NW 1005-PP, Nr. 97, verwahrt. |
Ernst Schmidt, Heinz Renner. Das Leben eines unvergessenen Menschen, Oberhausen 1965. Günter Gleising, Heinz Renner. Eine politische Biographie, Essen 2000. Erhard H. M. Lange, Renner, Heinz (Heinrich), in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 429-430. Renner, Heinz, in: Stadt Essen / Historischer Verein für Stadt und Stift Essen e.V. (Hrsg.), Essener Köpfe, Essen 2015, S. 283. Erhard H. M. Lange, Heinz Renner (KPD): in: Bundeszentrale für politische Bildung - Grundgesetz und Parlamentarischer Rat: https://www.bpb.de/themen/nachkriegszeit/grundgesetz-und-parlamentarischer-rat/39121/heinz-renner-kpd/ (Stand: 26.01.2025). Renner, Heinz, in: Handbuch deutscher Kommunisten: https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/recherche/kataloge-datenbanken/biographische-datenbanken/heinz-renner (Stand: 26.01.2025). Heinz Renner (1892-1964), in: Landtag NRW - Geschichte des Landtags - Verfolgungsbiographien: https://www.landtag.nrw.de/home/der-landtag/geschichte-des-landtags/verfolgungsbiografien/biografien/heinz-renner/lebensgeschichte-heinz-renner.html (Stand: 26.01.2025). |