Angesichts der Zerstörung deutscher Großstädte durch alliierte Luftangriffe wies der Reichsführer SS Heinrich Himmler im September 1942 das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt an, sog. Baubrigaden aufzustellen. Diese wurden aus Häftlingen der Konzentrationslager Neuengamme, Sachsenhausen und Buchenwald gebildet und zu Aufräumarbeiten in den Großstädten des Westens herangezogen. Die Entstehung des Außenlagers Schwarze Poth ging vermutlich auf die I. SS-Baubrigade des KZ Sachsenhausen zurück, von der ein Teil im Oktober 1942 nach Duisburg kam. Dort wurde sie im Februar 1943 in die SS-Baubrigade III des KZ Buchenwald mit Außenlager in Köln-Deutz eingegliedert. Aus der SS-Baubrigade III wurde ein Arbeitskommando von Duisburg nach Essen überstellt, das im Mai 1944 eigenständiges Außenlager des KZ Buchenwald wurde.
Von der Lagerverwaltung wird die Einrichtung des Essener Kommandos erstmals am 13. Dezember 1943 erwähnt. Nach einer Aufstellung des KZ Buchenwald vom 2. Januar 1944 umfasste das Kommando „Essen-Schuttverwertung 20 Häftlinge und unterstand dem SS-Unterscharführer Reinhard Sichelschmidt. Die Häftlinge waren zunächst in Baracken am Essener Polizeipräsidium untergebracht, bevor sie auf das Lagergelände in der Essener Innenstand verlegt wurden. Dort nahm das Außenlager im Februar 1944 offiziell seinen Betrieb auf. Bei der Verwaltung des KZ Buchenwald trug es im Mai 1944 die Bezeichnung „SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt Amt W I Außendienststelle Essen, Schwarze Poth 13 (Kommando: DESt, Bauschuttverwertung Essen). Die Abkürzung „DESt stand für das SS-Unternehmen „Deutsche Erd- und Steinwerke G.m.b.H. Im Haus Schwarze Poth 13 befand sich die SS-Lagerverwaltung, während die Häftlinge im Keller der Gaststätte Grinzing an der Adolf-Hitler-Straße 90 (heute Viehofer Straße 28) und im Nachbarhaus an der Königstraße 35 (heute Schützenbahn 25) untergebracht waren. Zur Erstreckung des ca. 350m langen und 100m breiten Lagergeländes und dessen Umzäunung existieren unterschiedliche Angaben. Zum Gelände gehörte eine Freifläche mit zwei Lagerbaracken oberhalb der Lagerkommandantur sowie ein sich nördlich daran anschließendes Trümmerfeld. Das Lager erstreckte sich über ein Areal zwischen den Straßenzügen der Schwarzen Poth im Süden, der Kirchstraße im Norden, der Königstraße im Westen und der Postallee im Osten. Einige Angaben lassen vermuten, dass sich das Lagergelände darüber hinaus weiter nach Norden bis zum Viehofer Platz und nach Westen bis zur Viehofer Straße ausdehnte.
Nach der Verlegung erhöhte sich die Kommandostärke des Außenlagers im Juli 1944 auf 150 Mann, die unter der Aufsicht einer 20köpfigen Wachmannschaft standen. Die Mannschaft setzte sich aus 1 Polizeimeister und 19 Wachtmeistern zusammen, bei denen es sich vorwiegend um ältere Polizeireservisten handelte. Von den 150 Häftlingen waren 90 Russen, 40 Polen und 3 Deutsche sowie einige Franzosen, Niederländer, Belgier, Dänen und Luxemburger. In Zeitzeugenberichten werden ferner italienische, jugoslawische und tschechische Häftlinge erwähnt. Zwei Deutsche fungierten als Lagerälteste bzw. Kapo für den Arbeitseinsatz. Vorarbeiter waren ein Däne und ein Pole. Die Häftlinge wurden zur Bombenräumung, Trümmerbeseitigung und Baustoffgewinnung in der kriegszerstörten Essener Innenstadt eingesetzt.
Unter den menschenunwürdigen Lebensbedingungen im Außenlager kam es zu einer Reihe von Todesfällen, die vor allem auf mangelhafte Ernährung und unzureichende medizinische Versorgung der Häftlinge zurückzuführen waren. Diese mussten täglich elf Stunden gefährliche Schwerstarbeit verrichten, zogen sich dabei teilweise erhebliche Verletzungen zu und waren außerdem im Lager grassierenden Epidemien ausgesetzt. In den Sterbebüchern des Essener Standesamtes sind für die vier darin verzeichneten Häftlinge Herzschwäche und Kräfteverfall sowie Verletzungen infolge eines Schutteinsturzes und einer Blindgängerexplosion als Todesursachen vermerkt. Zeitzeugenberichte bestätigen den Ausbruch von Ruhr und Tuberkulose im Lager. Demnach starben drei an der Ruhr erkrankte Häftlinge, während drei tuberkulöse Häftlinge nach Buchenwald rücküberstellt wurden und dort wahrscheinlich zu Tode kamen. Spätere Ermittlungen der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg zu der Frage, ob es in der Schwarzen Poth zu Tötungsverbrechen gekommen sei, verliefen 1967 ohne Ergebnis, obwohl Zeitzeugen von solchen Verbrechen berichten. Wie viele der 135 Häftlinge, die nach der Auflösung des Außenlagers Mitte März 1945 zurück nach Buchenwald transportiert wurden, die Verbrechen der Kriegsendphase überlebten, ist bisher ungeklärt.
Im heutigen Stadtbild haben sich keine sichtbaren Überreste des Lagers erhalten, das Gelände wurde wie die übrige Essener Innenstadt nach dem Zweiten Weltkrieg massiv umgestaltet. Die Schwarze Poth und die Postallee sind aus dem Straßenbild verschwunden. Der letzte von der Königstraße erhaltene Abschnitt ist Teil der Schützenbahn geworden. Die Häuser Schwarze Poth 13, Viehofer Straße 28 und Königstraße 35 waren nach dem Zweiten Weltkrieg abbruchreif. Sie wurden in den 1950er Jahren niedergelegt. Die Häuser auf den Grundstücken der ehemaligen Häftlingsunterkünfte sind Nachkriegsbauten. Die Standorte der ehemaligen Lagerkommandantur und Lagerbaracken wurden durch den Gebäudekomplex des City-Centers überbaut und lassen sich heute größtenteils innerhalb der Rathaus-Galerie verorten.
Die Unterlagen des Bestands stammen hauptsächlich aus einer Dokumentation über die zwei Essener Außenlagern des KZ Buchenwald, die der Öffentlichkeit am 28. Oktober 1981 zu einem „Ortstermin in der Alten Synagoge, der damaligen Mahn- und Gedenkstätte der Stadt Essen, vorgestellt wurde. Maßgeblich beteiligt an den Nachforschungen und der Konzeption waren damals Ernst Schmidt, Benno Reicher, Angela Genger und Ulrich Herbert. Den Kern des Bestands, der Rechercheunterlagen (meist Kopien), Fotos, Pläne und Karten verschiedenster Provenienz zur Schwarzen Poth enthält, bilden Aufzeichnungen von Gesprächen mit 10 Zeitzeugen, die nach der Berichterstattung von Lokalpresse und -fernsehen über das Außenlager im Winter 1980/81 in der Alten Synagoge interviewt wurden. |
Alte Synagoge Essen (Hrsg.), Ortstermin. Eine Dokumentation zu KZ-Außenlagern in Essen, Essen 1981. Ernst Schmidt, Lichter in der Finsternis. Widerstand und Verfolgung in Essen, Bd. 2, Essen 1988, S. 187-198 [Zweitveröffentlichung 2003]. Ernst Schmidt / Michael Zimmermann (Bearb.), Essen erinnert. Orte der Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert, 3. überarb. u. erw. Aufl., Essen 2002, S. 119-121. Michael Zimmermann, Drei Lager in Essen: Der Prügelkeller „Zeche Herkules“ 1933 und die KZ-Außenlager „Schwarze Poth“ und „Humboldtstraße“, in: Jan Erik Schulte (Hrsg.), Konzentrationslager im Rheinland und in Westfalen 1933-1945. Zentrale Steuerung und regionale Initiative, Paderborn 2005, S. 179-192, hier S. 184-188. Michael Zimmermann, Essen (Schwarze Poth), in: Wolfgang Benz / Barbara Distel (Hrsg.), Der Ort des Terrors: Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Bd. 3: Sachsenhausen, Buchenwald, München 2006, S. 439-442. |