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| Slg. 6005 |
| Walter Rohr |
| 01.01.1907-31.12.1998 |
Walter Rohr (27.11.1917-09.01.1998), Essener Jude, KZ-Häftling, US-Soldat, US-Bürger.
Walter Rohr wurde am 27. November 1917 als drittes Kind von Alfred und Wilhelmine Rohr, geb. Loewenstein, in Essen-Borbeck geboren, wo seine Eltern am Borbecker Markt ein Haushaltswarengeschäft führten. Er besuchte die Volksschule an der Kraftstraße und anschließend die Oberrealschule (Gymnasium) Borbeck. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung verließ Walter Rohr 1934 das Gymnasium und absolvierte eine Lehre als Klempner und Installateur. In der Reichspogromnnacht 1938 wurde das Geschäft und die Wohnung seiner Familie verwüstet, Walter Rohr wurde festgenommen und ins Konzentrationlager Dachau deportiert. Sein Bruder Friedrich Rohr floh nach Paraguay, seine Schwester Julia Rohr in die Vereinigten Staaten; seinen Eltern gelang erst 1941 ebenfalls die Flucht aus Essen in die USA. Durch die Unterstützung eines jüdischen US-Bürgers aus Baltimore wurde Walter Rohr nach vier Wochen aus dem Konzentrationslager mit der Auflage entlassen, Deutschland innerhalb von zwei Wochen zu verlassen. Nach kurzer Rückkehr in seine Heimatstadt führte ihn seine Flucht über Frankreich und England 1940 in die Vereinigten Staaten, wo er 1941 zu einem einjährigen Militärdienst eingezogen und 1942 eingebürgert wurde. Mit der US-Armee gelangte er über Nordirland, England und Frankreich 1944 wieder nach Deutschland und kam am Tag des Kriegsendes, dem 8. Mai 1945, als Soldat zurück nach Essen, wo er u.a. das ehemalige Wohn- und Geschäftshaus seiner Familie, sein ehemaliges Gymnasium und die Alte Synagoge aufsuchte. Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst ließ sich Walter Rohr mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern in New York nieder. 1986 trat Ernst Schmidt über den in Paraguay lebenden Friedrich (Federico) Rohr mit dessen Bruder Walter Rohr in Kontakt und bat diesen darum, ihm seine Lebengeschichte zu erzählen und private Fotografien zur Verfügung zu stellen. Zwischen Ernst Schmidt und Walter Rohr entwickelte sich eine regelmäßige Korrespondenz, die erst mit dem Tod Walter Rohrs am 9. Januar 1998 abbrach. Fünf Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Walter Rohr auf Anregung von Ernst Schmidt im Rahmen eines städtischen Besuchsprogramms der Alten Synagoge Essen 1995 ein letztes Mal in seine Geburtsstadt zurück. Im Gymnasium Borbeck führte er mit Schülerinnen und Schülern ein Zeitzeugengespräch über seine Erfahrungen im Nationalsozialismus und sprach im Kulturhistorischen Verein Borbeck e.V. über sein Leben.
Ehrungen: Stolperstein vor seiner ehemaligen Schule, dem Gymnasium Borbeck. |
| Best. 6000: 19_285; 19_490_1-3; 20_1945_106 |
| Eigentum |
Schmidt, Ernst, Walter Rohr – 1938 aus Essen vertrieben, 1945 als US-Soldat zurückgekehrt, in: Alte Synagoge (Hrsg.), Entrechtung und Selbsthilfe. Zur Geschichte der Juden in Essen unter dem Nationalsozialismus, Essen 1994, S. 98-117. Klaus Wisotzky / Monika Josten (Hrsg.), Essen. Geschichte einer Großstadt im 20. Jahrhundert, Münster 2018, S. 239. |