Detlev Julius Konrad Peukert (20.09.1950-17.05.1990), Sozialhistoriker, Leiter der Forschungsstelle für die Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg.
Detlev Peukert wurde in Gütersloh geboren und wuchs in Herringen, heute ein Stadtteil von Hamm, auf. Von 1968 bis 1975 studierte er Geschichte und Germanistik an der Ruhr-Universität Bochum. 1976 erschien im kommunistischen Röderberg-Verlag sein erstes Buch "Ruhrarbeiter gegen den Faschismus", bevor Peukert 1978 nach internen Konflikten aus der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) austrat. Er veröffentlichte 1980 seine in Bochum von Hans Mommsen und Siegfried Bahne betreute, 1979 abgeschlossene Dissertation "Die KPD im Widerstand". Seit November 1978 war Peukert bei Lutz Niethammer an der Universität-Gesamthochschule Essen für das Oral-History-Projekt "Lebensgeschichte und Sozialkultur im Ruhrgebiet 1930-1960" (LUSIR) angestellt. 1980 beteiligte er sich mit Ernst Schmidt und Gustav Streich an der Einrichtung der Alten Synagoge Essen als Mahn- und Gedenkstätte, wofür sie gemeinsam 1984 mit dem Kulturpreis der Stadt Essen ausgezeichnet wurden. Im selben Jahr habilitierte sich Peukert in Essen mit der Studie "Aufstieg und Krise der deutschen Jugendfürsorge von 1878 bis 1932", für die er ebenfalls 1984 den Heinz Maier-Leibnitz-Preis des Bundesministers für Bildung und Wissenschaft erhielt. In der "Neuen Historischen Bibliothek" des Suhrkamp-Verlags veröffentlichte er 1987 eine Geschichte der Weimarer Republik, die heute als Standardwerk gilt und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Seit 1988 war Peukert Direktor der Forschungsstelle für die Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg, der heutigen Forschungsstelle Zeitgeschichte Hamburg. Im Februar 1989 wurde er zum außerplanmäßigen Professor für Neuere Geschichte an der Universität Essen ernannt. Peukert lebte mit seinem israelischen Partner Amir Lewin in Hamburg und verstarb dort 1990 an den Folgen einer AIDS-Erkrankung.
Der wissenschaftliche Teilnachlass umfasst Kopien von Quellen zur Geschichte des (kommunistischen) Widerstands gegen den Nationalsozialismus, Gesprächsprotokolle und Korrespondenzen mit überlebenden Widerstandskämpfern aus den 1970er Jahren sowie Fotos für Peukerts erste drei Buchveröffentlichungen der Jahre 1976, 1980 und 1982 (s.u.). Die Quellen und Erlebnisberichte finden sich in den Literatur- und Quellenverzeichnissen der publizierten Bücher als Belege wieder. Darüber hinaus enthält der Bestand Fotonegative zu der von Peukert kuratierten Austellung "Widerstand und Verfolgung im Ruhrgebiet 1933-1945" an der Ruhr-Universität Bochum.
Kassiert wurden im Bestand enhaltene Mikrofilm-Reproduktionen von Gestapo-Personenakten aus dem damaligen Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, heute Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland. Aus den Akten folgender Personen lagen Mikroverfilmungen vor: Ahlefeld, Ernst; Anders, Franz; Attorf, Heinz; Balding, Josef; Bartzke, Hans; Bensch, Karl-Heinz; Bettenhausen, Rolf; Bierfeld, Leonhard; Bluhm, Eduard; Breyer, Johann; Dyziek, GeorgDyziek, Georg; Friedrichs, Heinz-Joachim; Goldbeck, Günter; Grossen, Helmut; Grossen, Helmut; Hallmann, Robert; Helsper, Rudolf; Heyda, Werner; Hofmann, Günther; Ingenbauhaus, Karl; Jendrzejewski, Wilhelm; Jendrzejewski, Wilhelm; Klasen, Hans; Koll, Johanna; Koslowski, Edmund; Kraus, Herbert; Küppers, Bernhard; Küppers, Margarethe; Lipka, Arthur; Lorenz, Fred; Matschulat, Friedrich; Nolte, Paul; Oppenberg, Walter; Quester, Hermann; Quester, Hermann; Rath, Karl; Remus, Fred; Renk, Alfred; Sand, Hans; Schröder, Regina; Sensis, Anna; Skiba, Walter; Spreitzer, Franz; Spreitzer, Franz; Steins, Alfred; Stempel, August; Stempel, Hermann; Stuhlemmer; Sturm, Max; Tenberken, Franz; Ternieden, Friedrich; Thomassen, Heinz; Torhofen, Peter; van Driefen, Gerhardt; Verfürth, Gerhard; Vetter, Theodor; Wartenberg, Friedrich; Wartenberg, Fritz; Ziehlke, Helmut
Veröffentlichungen (Monographien): Ruhrarbeiter gegen den Faschismus. Dokumentation über den Widerstand im Ruhrgebiet 1933 (1976); Die KPD im Widerstand. Verfolgung und Untergrundarbeit an Rhein und Ruhr 1933 bis 1945 (1980); Volksgenossen und Gemeinschaftsfremde. Anpassung, Ausmerze und Aufbegehren unter dem Nationalsozialismus (1982); Grenzen der Sozialdisziplinierung. Aufstieg und Krise der deutschen Jugendfürsorge von 1878 bis 1932 (1986); Jugend zwischen Krieg und Krise. Lebenswelten von Arbeiterjungen in der Weimarer Republik (1987); Die Weimarer Republik. Krisenjahre der Klassischen Moderne (1987); Max Webers Diagnose der Moderne (1989).
Auszeichnungen: Kulturpreis der Stadt Essen; Heinz Maier-Leibnitz-Preis des Bundesministers für Bildung und Wissenschaft |
Dirk Blasius, Nachruf auf Detlev Peukert (1950-1990), in: Geschichte und Gesellschaft 3 (1991), S. 397f. Bernd Jürgen Wendt, Detlev Peukert (Nachruf), in: Uni HH. Berichte und Meinungen aus der Universität Hamburg 4 (1990), S. 74f. Michael Zimmermann, Obituaries: Detlev Peukert 1950-1990, in: History Workshop Journal (1991), S. 245-248. Frank Bajohr (Hrsg.), Zivilisation und Barbarei. Die widersprüchlichen Potentiale der Moderne. Detlev Peukert zum Gedenken, Hamburg 1991. Rüdiger Hachtmann / Sven Reichardt (Hrsg.), Detlev Peukert und die NS-Forschung, Göttingen 2015. |